Drundobel - krystallos

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Die Aplitkluft im Drundobel

Datum:  Alles begann im Oktober 2009

Gestern fiel der endgültige Entschluss, den morgigen Schönwettertag auszukosten um einen Strahlertag zu planen. Andi L. war von der Idee gleich begeistert und wir entschlossen uns zu zweit nach Sedrun im schönen Tavetsch zu fahren um dort einen schönen Oktobertag in der Natur zu verbringen. Zuhause überlegte ich nicht lange wohin uns der Strahlergang verschlagen sollte. Intuitiv spukte mir dauernd der Drundobel im Kopf herum. Zudem wäre das Wetter ideal um dort zu suchen, nicht zu heiß - aber auch nicht zu regnerisch, beides Extreme die dort im südseitigen Erosionstrichter zur absoluten Tortour werden können.

Gegen 8.30 Uhr lösten wir ein Strahlerpatent auf der Gemeinde, parkierten das Auto im Ort und kamen zügig und bester Laune vorwärts. Da Andi L. erst dieses Frühjahr mit dem Kristallsuchen begonnen hatte, war er bei jeder Tour die wir machten voller Ehrgeiz und großer Motivation. Er hatt nur noch Kristalle im Kopf! Also suchten wir zunächst gleich die Ruinas im untersten Dobel auf Kluftanzeichen ab und waren mit viel Spaß bei der Sache, als ich plötzlich unter mir nur noch einen Schrei vernahm. Ruckartig drehte ich mich um und sah meinen Freund nur noch bergab fliegen. Machtlos sah ich diesem Geschehen zu und staunte nicht schlecht als Andi sich irgendwie 10-12 Meter unter mir auf einem dreieckgleichendem Grasband wieder abfing und zum abrupten Halten kam. Meine Gesichtszüge entspannten sich, denn in diesem steilen Gelände ist dies wie ein Wunder zu sehen. Ich kletterte schnell zu ihm und wir checkten seinen Körper, als wir zudem überrascht feststellten, daß außer einigen Schürfwunden keine schlimmeren Verletzungen festzustellen waren. Glück im Unglück!

Nach einer kleinen Rast verließen wir die Ruinas und stiegen im Drundobel weiter auf. Es vergingen Stunden bis wir im Bergschutt wieder Splitter von Bergkristallen fanden. Wir werteten dies als entfernte Zeichen und gingen diesen nach. Dann riß es mich wie Phönix aus der Asche, gleich neben meinem Bergschuh lag ein 4x4x5 cm großer Pyritwürfel da und begeisterte uns augenblicklich. Die Oberfläche war zwar stark limunitisiert, aber die Kanten brachten einen wunderbaren goldgelben Glanz zum Vorschein. Unsere Motivation erhielt einen neuen Schub und wir grasten die Runse auf das Genaueste ab, jedoch nur mit minimalem Erfolg und der Erkenntnis, daß ohne erhötes Risiko und ohne Seil hier kein Weiterkommen war.

Das Wetter wurde zumehmend schlechter, die Wolken waren um uns zu einem lückenlosen Teppich geworden und verfärbten sich im Westen zunehmend dunkler. Es mahnte zur Vorsicht. Gegen 16 Uhr entschlossen wir uns zum Abstieg. Als ich einige Meter unter Andi war fiel mir eine kleine Rüfe auf, die recht frisch sein müßte. Ich entschloß mich die Zeit zu nutzen und hinüber zu schauen, ehe Andi bei mir war. Ich war von den herumliegenden Gesteinsbrocken positiv überrascht, fand Kristallsplitter vor und gab Andi einen Wink rüber zu kommen. Nieselregen setzte ein und Wind kam auf, als ich fast einen Jubelhüpfer machen wollte. Ich drehte kurz um, stieg etwas höher und hatte in kürzester Zeit eine handvoll klarer Bergkirstalle bis 5 cm Größe. Vollgepumpt mit Adrenalin suchte ich das anstehende Quarzband und somit die Geburtsstätte der Kristalle, und konnte es rasch eingrenzen. Nur mit Pickel und Klufthaken fing ich an umsichtig zu graben und legte dabei die zum vorscheinkommenden Bergkristalle vorsichtig an einen sicheren Ort, in der unmittelbaren Nähe. Andi L. stieg rasch zu mir und half beim Abtragen der Erd- und Gesteinsschichten. Der Niesel ging in Regen über und wir holten die Schutzjacken hervor. Die Zeit mahnte ebenso zum baldigen Abstieg. Und wir setzten uns ein Zeitlimit. Voller Tatendrang arbeiteten wir und durften immer wieder glasklare Quarzkristalle von hoher Qualität bergen. Wir hatten das anstehende Quarz- und Aplitband gefunden und ich stellte überrascht fest, daß die Kristalle alle aus jenem sehr mehligen Aplitband stammen, welches immer wieder mit Clorit gefüllte Hohlräume bildet, in denen die Kristalle sicher verborgen ruhen und auf ihre Entdeckung warten.

Um 18 Uhr hinterlegten wir unser Werkzeug und stiegen mit gut beladenen Rucksäcken ab. Rasch kam die Dunkelheit und als wir nach einer knappen Stunde pausierten merkte Andi warum ich ständig zum Abstieg drängte. Glücklicherweise blieb weiterer Regen aus und meine Taschenlampe die ich unbewußt einpackte wurde zum wichtigsten und hochgeschätztesten Hilfswerkzeug. Da Andi L. unbedingt einen großen Gneißblock - belegt mit einigen Bergkristallen- einpackte, leidete er besonders im Abstieg.
Langsam, stolpernd und müde erreichten wir, bei absoluter Dunkelheit, das Auto in Sedrun. Wir  waren froh und glücklich wieder heil im Tal angekommen zu sein. Eine reizvolle  Stimmung lag über dem nächtlichen Sedrun als wir gegen 20.30 Uhr zufrieden die Heimreise antraten. An den kommenden Tagen fiel einiges an Schnee bis weit ins Tal, was das Strahlen im Tavetsch vorerst unmöglich machte. Da unser Werkzeug die Stelle belegt kommen wir wieder, um abermals in die Faszination des Kristallsuchens einzutauchen.


... zu gegebener Zeit folgt der restliche Bericht

Verfasst & Bilder von:   Robert Linhart im Januar 2012

 
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