Herkimer Diamanten aus dem Bregenzer Wald 2014 - krystallos

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Herkimer Diamanten aus dem Bregenzer Wald 2014

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Herkimer Diamanten aus dem Bregenzer Wald - 2014
(Marmaroscher Quarze)

 
 



 
 


-  Die große Überraschung  -


Nach einem extrem schneearmen Winter 2013/2014 war es wieder an der Zeit im Bregenzer Wald auf Suche nach den verborgenen Schätzen der Natur zu gehen. So suchten Roland und ich die Gebiete auf, die mir bekannt sind, um nach "Herkimer Diamanten" - welche bei uns hier in der Heimat als "Marmaroscher Diamanten" bekannt sind - zu suchen. Das Wetter war bewölkt, aber trocken, was will man mehr.
So hatten wir das Glück an einer alten Stelle von mir gleich fündig zu werden. So wie es aussah war in diesem Frühjahr noch niemand hier zum Graben gewesen und wir entfernten etwas an Erdreich, um auf die Tonmergel zu gelangen. Kurz daruf zeigte sich das erste Calcitband und öffnete sich nach kurzem, um uns mit netten kleinen Quarzen eine Freude zu bereiten. Wenig später erfreuten wir uns einiger Stufen welche schöne "Marmaröscheli" aufsitzend hatten. Beide waren wir glücklich. so schnell Erfolg zu haben. Wir genossen das intensive Gezwitscher der Vögel, und als es leicht zu Nieseln begann verstauten wir alles umsichtig in unseren Rücksäcken und maschierten zum Auto zurück.
Eine halbe Stunde später spülten wir unsere trockenen Kehlen mit einem Bier, und der intensive Regen, der nun einsetze, machte uns nichts mehr aus...

... Wochen vergingen und nun hatte ich wieder einmal Zeit zum Kristallsuchen zu gehen. Meine Tochter wollte die freien Schultage nutzen und mich auf einen Gang begleiten, wenn - ja wenn wir nicht so ewig fahren. Mich freute es das Lorena mit von der Partie war und so entschloss ich mich mit Ihr nur im näheren Umfeld zu suchen. Mir fiel die Stelle vom Mai sofort wieder ein und evtl. haben wir hier ja nochmals etwas Glück und finden noch ein Band mit dem ein oder anderen Marmaroscher Diamanten als positive Überraschung. Was uns aber erwarten sollte sprengte all meine Vorstellungen auf den gemeisamen Strahlertag.

Während des Anmarsches zur gewünschten Stelle konnten wir der Versuchung nicht stand halten und naschten immer wieder leckere aromatische Walderdbeeren welche immer wieder den Weg säumten. Kurz darauf legten wir die Rucksäcke ab und ich inspizierte schnell unsere auserkorene Zone. Seit meinem letzten Besuch hier sind schon Wochen vergangen und derzeit wurde hier nochmals von anderen Strahlern gearbeitet. "Sieht gut aus " bemerkte ich kurz und da kein Werkzeug oder schriftlicher Hinweis auf Belegung vorhanden war, konnten wir in aller Ruhe mit der Arbeit beginnen.

Kurz darauf bemerkte ich einen guten kluftandeutenden Hinweis, welchem wir nachgingen. Der ein oder andere Felsen wurde entfernt und dann glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen und mein Körper setzte eine Menge von Adrenalin frei !!!  Da öffnete sich auf einmal eine ordentliche Tonmergelkluft und der Kluftlehm drückte nur so raus. Das gewaltige war jedoch die Größe, welche sich auf 4 cm breite und ca. 12- 15 cm Höhe anberaumte. Für Bregenzer- Wald -Verhältnisse kann man hier von groß sprechen! Die Länge der Kluft konnte ich am Ende mit 110 cm abmessen.

Jetzt hieß es vorsichtig zu Werke zu gehen. Zuerst meiselten und stemmten wir eine Seitenwand weg um besser an die gewünschte Kluft zu gelangen. Und sobald dies der Fall war kamen wir mit dem Lachen und Blödeln nicht mehr nach. Da lag ein Quarzkristall nach dem andern da zum rausheben. Einer dicht an dicht an den Andern gedrängt !!! Zudem staunten wir nicht schlecht als wir feststellten das die Kristalle alle eine Abdruckstelle zum anderen Kristall haben. Somit könnte es ursprünglich so gewesen sein, dass die nun einzelnen Kristalle früher vor hunderten von Jahren als ein großes Kristallgebilde zusammen gehörten. So wie die bekannten Quarzkristalle aus Herkimer in den USA tolle große zusammenhängende Quarzformationen bilden und weswegen diese so beliebt sind. Unsere Phantasie beflügelte uns und verlieh uns eine mortz Gaudi.

Diese extreme Menge an Marmaroscher Diamanten und deren Größe, in einer einzigen Kluft, habe ich in meiner langen Zeit des Strahlens im Bregenzer Wald noch nicht erlebt. Am Ende unseres langen Tages konnten wir die Kluft gänzlich ausräumen und zählten 54 lose Herkimer Diamanten mit einem Gewicht von 328 Gramm. Die Größe der einzelnen Kristalle lag zwischen 0,5 cm bis 4,3 cm. Kristallstufen konnten wir hier nur 3 kleinere bergen. Die meisten großen "Marmaröscheli" weisen auf allen Seiten Fenster auf, welche zeigen, dass in der Entstehungsphase ein sehr schnelles Wachstum und eine äußerst zügige Aushärtung der Minerallösung vonstatten ging.

Bis zum Abend konnten wir die Kluft in voller Länge öffnen und sauber ausräumen. Es war ein tolles Gefühl mit meiner Tochter ein so schönes Erlebnis zu teilen, und Ihr damit, für Ihr Leben, auch eine schöne Erinnerung zum Kristallsuchen mit zu geben. Auf der Heimfahrt beschlossen wir diesen Fund nicht zu teilen und zu zerreisen, sondern als einen zusammengehörigen Fund in unsere Privatsammlung wandern zu lassen. Nun heißt es noch mal gut zu waschen und zu reinigen, so daß die Kristalle gut zur Geltung kommen können, ...

... einige Tage später wollte ich jedoch nochmals hierher zum Suchen kommen, und um zu sehen, ob noch andere gute Calcitadern vorhanden wären. Es regnete aus Kübeln, jedoch tat das unserer guten Laune keinen Abbruch. Voller Eifer arbeitet wir im selben Zug weiter und brachen viel Gesteinsmaterial weg, aber was wir fanden, war nur ein kleiner Hohlraum mit Marmaroscher Quarzen von einer Größe unter 0,5 cm und einer netten Kristallstufe. Kurze Zeit später kam ein "vertrocknetes Calcitband" zu Tage und beinhaltete außer zwei mini kleine Quarze gar nichts mehr. Danach verlief die Zone in den Schutt von vergangenen Jahren !

Nachdem ich viele Jahre schon hierher komme um nach den schönen Marmaroscher Diamanten vom Bregenzer Wald zu suchen, stelle ich fest, dass es bestimmt 18 Jahre her ist, daß ich zuletzt ein ähnlich gutes Funderlebnis in dieser Region erfahren durfte. Manche Jahre vergehen und man kommt, doch überwiegend enttäuscht, aus dem doch recht mineralarmen Regionen Vorarlbergs zurück. Aber wie an diesem Beispiel zu sehen ist, hält die Natur doch immer wieder so manche schöne Überraschung parat, obwohl man das Gefühl hat, man findet jetzt gar nichts mehr, da doch alle bekannten Mineralfundstellen zu gut abgesucht und ausgebeutet ist.



 
 
 



 
 
 

Bericht & Bilder : Robert Linhart  -Juli 2014

 
 
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